Auf „JEM Records celebrates Bob Dylan“ sind wunderbar frische und freche Dylan-Coversionen versammelt

Viele werden sich fragen ob die Welt noch weitere Bob Dylan-Cover-Alben braucht. Der „Darmstädter Dylan-Experte“ sagt ja, ja und nochmals ja. Weil jede Generation und jeder Künstler dieser Generationen sich anschicken kann, entweder wahre Pretiosen oder belanglose Nachspielerei zu schaffen. Die Pretiosen aber findet man nur wie Perlen. Man muss jede einzelne Auster öffnen, sprich jedes einzelne Dylan-Cover hören.
Die neueste Cover-Sammlung stammt aus dem Hause JEM und erscheint am 21. August. Seit geraumer Zeit besteht die Reihe „JEM Records celebrates Bob Dylan“. Da sind schon Jagger & Richards, John Lennon, David Bowie oder Pete Townsend gewürdigt worden. Die neueste, siebte Folge stellt nun also US-Musiklegende und Nobelpreisträger Bob Dylan in den Mittelpunkt. Die 12 Songs decken leider nur die ersten 20 Jahre von Dylans Karriere ab. Der jüngste Dylan-Song stammt von 1980 und ist allerdings ein wahres Fundstück: das selten gespielte “Ain’t Gonna Go to Hell for Anybody”. Und „The Jive“ nehmen die Ohrwurm-Vorlage gerne auf und bringen sie in einer etwas verzögerten Indie-Rock Version zum Klingen.
Rock und Indie-Rock
Sympathisch an der Zusammenstellung ist es, dass die ganz großen Namen hier fehlen. Es handelt sich allesamt um weniger bekannte Rock und Indie-Rock-Bands, die hier meist Vollstoff abliefern, sich etwas wagen und sich frech und respektlos den Songs annehmen. Und so geht es gleich richtig los. „The Airport 77s“ haben es erkannt. Bei „It Ain’t Me Babe“ steckt viel Potential zum dissen und haten drin. Der doch irgendwie distanziert-ironischen Originalversion des Meisters antworten sie daher mit einer schnellen, harten Coverversion.
Dagegen bleiben „The Half Cubes“ im gewohnten Rahmen, wenn sie ihre Version von Quinn the Eskimo (The Mighty Quinn) doch recht nahe an der Manfred Mann anlegen. Mehr Freiheit nehmen sich dagegen „The Cynz“ bei „Neighbohood Bully“ und drücken dem 1983er Pro-Israel-Song ihren Stempel auf. Ebenso ungewöhnlich: „The On and Ons“ drücken beim sonst als langsamen Blues bekannten deutlich aufs Gaspedal.
Da fällt der Abschlusstrack von Nick Piunti und seine Version von „Mr. Tambourine Man“ doch etwas ab. Da wird eben nichts gewagt und so kommt ein derart konventionelles Rock-Cover des Dylan/Byrds-Hits heraus, dass man sich doch ziemlich wundert.
Dylan-Songs in Pub-Punk-Rock-Manier
Das tut aber dem Hörvergnügen keinen Abbruch, es ist vielleicht sogar die nötige Erholung zum Schluss, haben doch einige Band sich hier ganz schön was getraut und die Dylan-Songs in rauhem Semi-Pub-Punk-Rock heruntergedroschen. Aber das passt ja bestens zu Dylan. Denn von „Play it fucking loud“ 1966 über „Dylan & The Plugz“ 1984 bis hin zum krachenden Rock auf der Dylan-Knopfler-Tour im Herbst 2011 ist auch Dylan immer wieder gerne bereit, selber den Krachmacher und Punk-Rocker zu geben.
Bleibt unterm Strich ein höchst unterhaltsames Album, das schon jetzt zu den besten Dylan-Cover-Alben ever gehört. Es sind schön viele Perlen drauf.
Trackliste:
1: It Ain’t Me Babe – The Airport 77s
2: Quinn the Eskimo (The Mighty Quinn) – The Half-Cubes
3: Queen Jane Approximately – The Anderson Council
4: This Wheels On Fire – The Grip Weeds
5: Ain’t Gonna Go to Hell for Anybody – The Jive
6: Neighborhood Bully – The Cynz
7: Rainy Day Woman #12 & 35 – The Weeklings
8: Subterranean Homesick Blues – The High Frequencies
9: Stuck Inside of Mobile With the Memphis Blues Again – Paul Collins
10: It’s All Over Now, Baby Blue – The Midnight Callers
11: Meet Me in the Morning – The On and Ons
12: Mr. Tambourine Man – Nick Piunti



























