Thomas Waldherrs Lesereise endet mit einem umjubelten Bob Dylan-Tribute in der Bessunger Knabenschule

Musikerinnen und Musiker mit brillanten Dylan-Songversionen, ein begeisterungsfähiges und begeistertes Publikum sowie ein Kurator, der vom Rezitator zum Jungen mit der Mundharmonika wurde. So verlief das große Bob Dylan-Tribute in Darmstadt.
Schon Tage vorher ausverkauft

Schon tagelang war der große Bob Dylan-Abend der Darmstädter Americana-Reihe anlässlich des 85. Geburtstages der Musiklegende ausverkauft. Und so strömten die Massen in die Knabenschule und die Halle war picke-packe-voll. Mit „Congratulations“ von den Traveling Wilburys aus dem Off startete dann der Abend. In vier Abschnitten unterteilt wurde schlaglichtartig die Geschichte Bob Dylans von den Anfängen in Ney York 1961 bis zu den aktuellen Konzerten erzählt.

Natürlich startete Dan Dietrich mit dem „Song to Woody“ und bei „The Times They Are A-Changin‘“ wurde auch schon kräftig mitgesungen. Dan hatte wie üblich das Publikum durch seinen Charme und seine Spielfreude sofort im Griff. Es ging weiter mit der Geschichte von Bobby und Joanie, die Dan & DanaMaria wunderbar in zwei tollen Songversionen von „Mama You Been On My Mind“ und „It Ain’t Me Babe“ erzählten, ehe Dylan das Folkrevival 1965 in Newport pulverisierte. Martin Grieben und das Julia van Embers Trio spielten zum Abschluss des ersten Teils ein ebenso melodisches wie lautes „Like A Rolling Stone“.

Vier Schlaglichter auf Dylans Karriere
Im zweiten Teil ging es um die Basement Tapes, John Wesley Harding und Nashville Skyline und so interpretierte beispielsweise Richard Limbert „Goin‘ To Acapulco“ und das Julia van Embers Trio spielte ein wunderbar jazzig-souliges „I’ll Be Your Baby Tonight“, ein treibendes „All Along The Watchtower und eine ebenso schöne wie ungewöhnliche Version von „You Ain’t Goin Nowhere“, bei der das Publikum zum Chor wurde. Neben der tollen Leadsängerin und Bassistin Julia van Embers glänzten hier Tino Rühlemann mit überirdischen Gitarrenklängen und Stevo Harrison ließ das Dobro weinen und wimmern, dass eine wahre Freude war.
Nach der Pause las Thomas Waldherr aus seinem neuen Buch „In The Summertime. Bob Dylan 1981“ und erzählte von seiner Frühzeit als Dylan-Fan in Darmstadt. Und da Hurricane sein erstes Dylan-Lied war, das er je gehört hat, spielte Dan Dietrich die Melodie dazu. Bei Dylans Jesus-Jahren berichtete Waldherr, wie er Dylan treu bleiben konnte, indem er in den Songs Jesus durch eine Frau ersetzte. Und bei „In The Summertime“ und „I Believe In You“ griff er dann zur Mundharmonika. Und als Martin Grieben die Leute bei „Ain’t Gonna Go To Hell For Anybody“ zum mitsingen animierte, unterstützte der Kurator die Bemühungen, indem er den Refrain auf Papptafeln präsentierte. Die Anspielung führte zu großer Heiterkeit.

Brillante Versionen der Dylan-Songs
Im letzten Abschnitt schließlich ging es um das Spätwerk Dylans. Da zog Martin Grieben alle in seinen Bann, als er für „Trying To GetT o Heaven“ das Folk-Rock-Terrain völlig verließ und eine brillante jazzig- experimentelle und doch melodische Version des Songs intonierte. Großes Staunen allerorts. Nachdem Dana & Tino „Make You Feel My Love“ ganz sanft gespielt hatten, wurde es mit Richard Limberts von Stevo Harrison am Banjo und Tino Rühlemann an der Gitarre unterstützten Version von „Highwater Everywhere“ erdiger. Ganz stark. Mit „When I Paint My Masterpiece“ – auch das in einer ebenso ungewohnten wie brillianten Version – bog der Abend dann in die Zielgerade, ehe „I Shall Be Released“ und „Forever Young“ die Tribute-Veranstaltung nach mehr als zweieinhalb Stunden Programm unter großem, donnernden Applaus und vielen Bravo-Rufen beschlossen.

Applaus, Bravo-Rufe und strahlende Gesichter
Am Ende nur strahlende Gesichter und erschöpfte, aber glückliche Musiker. Ein würdiger Abschluss einer nicht nur für Thomas Waldherr denkwürdigen Dylan-Lesereise. Von der Ouvertüre mit Sam Kuhfus‘ Local Music Radio Show über die Stationen Bensheim, Ravensburg, Leipzig, Seeheim-Jugenheim, Eisenach führte der Weg nach Darmstadt. Dort wo die Homebase der Americana-Reihe ist. Dort wo das jährliche Bob Dylan-Tribute von Thomas Waldherrs Darmstädter Americana-Reihe in der Bessunger Knabenschule ein fester Termin im Darmstädter Kulturkalender geworden ist.