Congratulations, Bob Dylan!

Thomas Waldherrs Lesereise endet mit einem umjubelten Bob Dylan-Tribute in der Bessunger Knabenschule

Das große Finale, Foto: Cowboy Band Blog

Musikerinnen und Musiker mit brillanten Dylan-Songversionen, ein begeisterungsfähiges und begeistertes Publikum sowie ein Kurator, der vom Rezitator zum Jungen mit der Mundharmonika wurde. So verlief das große Bob Dylan-Tribute in Darmstadt.

Schon Tage vorher ausverkauft

Dan Dietrich und die Julia van Embers Band, Foto: Cowboy Band Blog

Schon tagelang war der große Bob Dylan-Abend der Darmstädter Americana-Reihe anlässlich des 85. Geburtstages der Musiklegende ausverkauft. Und so strömten die Massen in die Knabenschule und die Halle war picke-packe-voll. Mit „Congratulations“ von den Traveling Wilburys aus dem Off startete dann der Abend. In vier Abschnitten unterteilt wurde schlaglichtartig die Geschichte Bob Dylans von den Anfängen in Ney York 1961 bis zu den aktuellen Konzerten erzählt.

Dana & Tino, Foto: Cowboy Band Blog

Natürlich startete Dan Dietrich mit dem „Song to Woody“ und bei „The Times They Are A-Changin‘“ wurde auch schon kräftig mitgesungen. Dan hatte wie üblich das Publikum durch seinen Charme und seine Spielfreude sofort im Griff. Es ging weiter mit der Geschichte von Bobby und Joanie, die Dan & DanaMaria wunderbar in zwei tollen Songversionen von „Mama You Been On My Mind“ und „It Ain’t Me Babe“ erzählten, ehe Dylan das Folkrevival 1965 in Newport pulverisierte. Martin Grieben und das Julia van Embers Trio spielten zum Abschluss des ersten Teils ein ebenso melodisches wie lautes „Like A Rolling Stone“.

Martin Grieben, Foto: Cowboy Band Blog

Vier Schlaglichter auf Dylans Karriere

Im zweiten Teil ging es um die Basement Tapes, John Wesley Harding und Nashville Skyline und so interpretierte beispielsweise Richard Limbert „Goin‘ To Acapulco“ und das Julia van Embers Trio spielte ein wunderbar jazzig-souliges „I’ll Be Your Baby Tonight“, ein treibendes „All Along The Watchtower und eine ebenso schöne wie ungewöhnliche Version von „You Ain’t Goin Nowhere“, bei der das Publikum zum Chor wurde. Neben der tollen Leadsängerin und Bassistin Julia van Embers glänzten hier Tino Rühlemann mit überirdischen Gitarrenklängen und Stevo Harrison ließ das Dobro weinen und wimmern, dass eine wahre Freude war.

Nach der Pause las Thomas Waldherr aus seinem neuen Buch „In The Summertime. Bob Dylan 1981“ und erzählte von seiner Frühzeit als Dylan-Fan in Darmstadt. Und da Hurricane sein erstes Dylan-Lied war, das er je gehört hat, spielte Dan Dietrich die Melodie dazu. Bei Dylans Jesus-Jahren berichtete Waldherr, wie er Dylan treu bleiben konnte, indem er in den Songs Jesus durch eine Frau ersetzte. Und bei „In The Summertime“ und „I Believe In You“ griff er dann zur Mundharmonika. Und als Martin Grieben die Leute bei „Ain’t Gonna Go To Hell For Anybody“ zum mitsingen animierte, unterstützte der Kurator die Bemühungen, indem er den Refrain auf Papptafeln präsentierte. Die Anspielung führte zu großer Heiterkeit.

Richard Limbert, Foto: Cowboy Band Blog

Brillante Versionen der Dylan-Songs

Im letzten Abschnitt schließlich ging es um das Spätwerk Dylans. Da zog Martin Grieben alle in seinen Bann, als er für „Trying To GetT o Heaven“ das Folk-Rock-Terrain völlig verließ und eine brillante jazzig- experimentelle und doch melodische Version des Songs intonierte. Großes Staunen allerorts. Nachdem Dana & Tino „Make You Feel My Love“ ganz sanft gespielt hatten, wurde es mit Richard Limberts von Stevo Harrison am Banjo und Tino Rühlemann an der Gitarre unterstützten Version von „Highwater Everywhere“ erdiger. Ganz stark. Mit „When I Paint My Masterpiece“ – auch das in einer ebenso ungewohnten wie brillianten Version – bog der Abend dann in die Zielgerade, ehe „I Shall Be Released“ und „Forever Young“ die Tribute-Veranstaltung nach mehr als zweieinhalb Stunden Programm unter großem, donnernden Applaus und vielen Bravo-Rufen beschlossen.

Thomas Waldherr, Cowboy Band Blog

Applaus, Bravo-Rufe und strahlende Gesichter

Am Ende nur strahlende Gesichter und erschöpfte, aber glückliche Musiker. Ein würdiger Abschluss einer nicht nur für Thomas Waldherr denkwürdigen Dylan-Lesereise. Von der Ouvertüre mit Sam Kuhfus‘ Local Music Radio Show über die Stationen Bensheim, Ravensburg, Leipzig, Seeheim-Jugenheim, Eisenach führte der Weg nach Darmstadt. Dort wo die Homebase der Americana-Reihe ist. Dort wo das jährliche Bob Dylan-Tribute von Thomas Waldherrs Darmstädter Americana-Reihe in der Bessunger Knabenschule ein fester Termin im Darmstädter Kulturkalender geworden ist.

Luther + Bach, Lippmann + Rau, Limbert + Waldherr

Die fünfte musikalische Dylan-Lesung fand an traditionsreicher Stelle im ohnehin schon geschichtsträchtigen Eisenach statt und begeisterte auch hier die Anwesenden

Richard Limbert + Thomas Waldherr beim Schlussapplaus, Foto: Cowboy Band Blog

Nun also Eisenach. Nach Leipzig das zweite Heimspiel für Richard Limbert. Denn im Lippmann + Rau-Archiv arbeitete er bis vor kurzem noch und ist dem Haus auch immer noch sehr verbunden. Und hier recherchierte ich auch für mein neues Buch „In The Summertime. Bob Dylan 1981“, das ich derzeit mit lokalen Musikern in meiner musikalischen Lesereise bewerbe.

Das Lippmann+Rau-Archiv befindet sich in dem Industriedenkmal Alte Mälzerei, dessen Keller seit den 1990er Jahren den im Jahr 1959 gegründeten Jazzclub Eisenach beheimatet. Es war also ein geschichtsträchtiges Terrain auf dem wir am vergangenen Samstagabend (23. Mai) unser Programm vortrugen. In einer ohnehin geschichtsträchtigen Stadt, die mit Bach-Haus, Luther-Haus und Wartburg gleich mehrere Geschichtsdenkmäler besitzt.

Richard zeigte Fundstücke aus dem Archiv, Foto: Cowboy Band Blog

Der Keller füllte sich bis zum Veranstaltungsbeginn richtig gut und nach der Begrüßung durch Daniel Eckenfelder vom Jazzclub verlief der Abend dann ebenso wie die vorherigen sehr schön. Das Publikum war aufmerksam und an vielen Stellen auch vergnügt, ich las aus meinem Buch, Richard spielte in großartiger Manier die Dylan-Songs dazu, mehrmals sang ich mit oder verzierte die Lieder mit Harp-Solos. Richard erzählte auch von seinem eigenen Dylan-Fan-sein, seinem ersten Konzert 2011 und zeigte auch einige Stücke zur Tour 1981 aus dem Fundus des Archivs. Denn schließlich war auch für diese Deutschlandtour Dylans Fritz Rau der Veranstalter.

Wie auch in Leipzig, erzählte ich in einem Exkurs über das Dylan-Konzert 1987 in Ost-Berlin, dass einige Saal persönlich miterlebt hatten. So kam es neben der Konzertlesung auch zu ganz viel Schwelgen in Erinnerungen. Richard intonierte dazu passend „I Dreamed I Saw St. Augustine“, denn dieses Stück spielte Dylan damals im Treptower Park und in St. Augustin bei Bonn stammt Richard auch ursprünglich.

Musikalische Lesung, Foto: Cowboy Band Blog

Wir schlossen unser reguläres Set mit „In The Summertime“ und spielten für das höchst erfreute Publikum dann noch drei Zugaben: „I Shall Be Released“, „Jokerman“ und als vorzeitigen Geburtstagsgruß „Forever Young“. Allerseits fröhliche Gesichter und nach vielen Gesprächen sowie Bücher signieren und widmen feierte dann ein kleiner Kreis noch in Bobs Geburtstag hinein.

Und jetzt geht das ganze Projekt in die Zielgerade. Am Donnerstag ist dann das Finale beim großen Bob Dylan-Tribute in Darmstadt.

Menschen, Bücher, Dylan-Songs

Auch die Jugenheimer Station der Dylan-Lesereise war geprägt von großem Zuschauerzuspruch und einer vergnügt-interessierten Stimmung

Hatten viel Spaß: Thomas & Dan, Foto: Cowboy Band Blog

Und wieder war es eine ganz andere, besondere Atmosphäre bei dieser Station der Lesereise „In The Summertime. Bob Dylan 1981“. In der Buchhandlung Zabel in Seeheim-Jugenheim war natürlich die musikalische Lesung zu meinem neuen Buch bestens aufgehoben. Inmitten von Literatur und Sachbüchern waren 40 Stühle gestellt worden, am Ende war das Ladengeschäft proppenvoll und bestimmt weit mehr als 50 Personen da. Einige fanden keinen Sitzplatz mehr und beobachteten das Geschehen an der offenen Ladentür.

Sigrid Zabel eröffnete, Foto: Cowboy Band Blog

Nach der Begrüßung durch Inhaberin Sigrid Zabel gingen Dan Dietrich und ich mitten rein mit „In The Summertime“ und ich erzählte abermals von der Jugend eines Dylan-Fans in Darmstadt, von Beginn der Reagan-Ära als Startschuss für den verheerenden Siegeszug des Neoliberalismus, der politischen Ernüchterung, die viele Progressive zu Gott und Guru flüchten ließen, Bob Dylans Konversion und seiner Befreiung aus dem Gedankengefängnis und natürlich über seine Deutschland-Tournee im Sommer 1981.

Dan spielte wunderschöne Versionen von „Senor“, von „Lenny Bruce“ und mischte „Precious Angel“ geradezu artistisch mit Neil Youngs „Rockin‘ In A Free World“ und Dylans „All Along The Watchtower“. Gemeinsam sangen wir neben dem Titelstück noch I Believe In You und Heart Of Mine. Dazu ließ ich die Mundharmonika recht dylanesk erklingen.

Thomas an der Harp, Foto: Cowboy Band Blog

Das Publikum hörte interessiert zu und kommentierte die Lesungen mit Lachen, Schmunzeln, aber auch deutlich hörbaren Unmutsäußerungen, als ich die Pressekommentare zur Tour zitierte.

Und so vergingen die gut anderthalb Stunden wie im Flug und am Ende bekam ich so viele Bücher zum signieren und widmen wie noch nie auf dieser Lese-Tour. Ein absolut gelungener Abend. Vielen Dank an Dan, an Sigrid Zabel und ihr Team der Buchhandlung und natürlich an alle, die da waren. Wir machen das oder ähnliches in Jugenheim bestimmt mal wieder. Und jetzt geht es zur nächsten Station: Samstag in Eisenach, im Jazzclub Alte Mälzerei. Wieder mit dabei: Richard Limbert!

Leipziger „Basement Tales“

Die dritte Station der Lesereise war zu DDR-Zeiten die Folk-Hochburg der Republik. Mit Richard Limbert im Mühlkeller.

Foto: Wolfgang Leyn

Aus vielerlei Gründen war dieser Besuch in Leipzig denkwürdig. Wir waren das erste Mal überhaupt dort und schon nach kurzer Zeit schlug uns die Stadt in ihren Bann. Eine moderne Großstadt, weltoffene Messestadt und gleichzeitig kann man an jeder Ecke etwas historisches Entdecken. Von Auerbachs Keller über die Thomaskirche mit ihrem Thomanerchor bis zur Börse, einem pittoresken Palais mitten im Zentrum.

Foto: Cowboy Band Blog

Unser Auftritt fand aber nicht in Auerbachs Keller, sondern im Mühlkeller in der Mühlstraße statt. Ein kleiner, uriger Veranstaltungsraum, der kaum mehr als 30 Personen fasst. Und die Plätze waren dann auch alle besetzt, als Richard Limbert und ich die Bühne enterten. Seit DDR-Zeiten ist Leipzig eine Folk-Hochburg und Richard ist einer der Vertreter der zeitgenössischen Folkszene der Stadt.

Als Lokalmatador hatte er zu den Songs immer etwas Interessantes oder Humorvolles beizutragen. So stimmte die Mischung aus Musik und Lesung, aus Gesang und humorvollem Geplauder, so dass es ein wirklich kurzweiliger Abend wurde. Richard hatte noch „Man Gave Names To All The Animals“ auf die Setlist genommen und natürlich gingen wir an dieser Stätte auch auf Bob Dylans einziges Konzert in der DDR 1987 in Ost-Berlin ein.

Foto: Cowboy Band Blog

Mein Vortrag über die enttäuschten Erwartungen der Fans und den triumphierenden Zeilen der SED-Presse wurde von ihm mit „I Dreamed I Saw St. Augustin“ ergänzt, den Song hatte Dylan damals in Ost-Berlin tatsächlich gespielt. Für Richard war das ein besonderes Vergnügen, schließlich stammt er ursprünglich aus St. Augustin bei Bonn. Am Ende spielte ich noch ein Mundharmonika-Solo bei „Every Grain Of Sand“ und als Zugabe spielten wir ganz am Ende „I Shall Be Released.“ Und ernteten einen ganz großen Applaus. Wieder hat die musikalische Lesung beim Publikum Gefallen gefunden.

So vergingen die zwei Stunden wieder wie im Flug und wir führten nachher noch interessante Gespräche mit Zuhörern wie Wolfgang Leyn, der die Website Ostfolk.de betreibt und in Ost-Berlin 1987 mit dabei war. Mein Dank gilt Richard und natürlich Jens und dem Team vom Mühlkeller.

Nächste Station ist Seeheim-Jugenheim!

Ein weiterer besonderer Dylan-Abend

Lesereise-Tagebuch. Teil 2: Ravensburg. Auch die zweite Station der Bob-Dylan-Lesereise ist absolut gelungen.

Michael Moravek, Thomas Waldherr und Günter Ramsauer in Ravensburg (Foto: M. Moravek)

Als Michael Moravek am Ende eine wunderschöne Version von „In The Summertime“ spielte, war das der Abschluss einer gelungenen zweiten Station von Thomas Waldherrs Lesereise zu seinem neuen Buch „In The Summertime. Bob Dylan 1981“. So gelungen, dass Moravek vom begeisterten Publikum noch zu einer Zugabe „gezwungen“ wurde und mit „Tryin‘ To Get To Heaven (Before They Closed The Door) einen der schönsten Songs von Dylans 1997er Comeback-Album „Time Out Of Mind“ spielte.

Zwei Stunden vorher Margret Ziesel vom Neuen Kunstverein die Gäste begrüßt. In dessen Reihe „Hörbar“ ging die musikalische Lesung von Thomas Waldherr und Michael Moravek an den Start. Der Saal im Haus des Neuen Kunstvereins Ravensburg war proppenvoll, der Andrang übertraf die Erwartungen deutlich.

Nach der Begrüßung führte Günter Ramsauer, in dessen truth and lies press das Buch erschienen ist, in das Thema Dylan ein und lass einen eigenen Text zu Dylans Gospel-Jahre, ehe er Waldherr und sein Buch vorstellte. Fortan wechselten sich Waldherr Wortvorträge und Moraveks Musikdarbietungen ab. Der Darmstädter Dylan-Experte, Musikjournalist und Kulturvermittler las ausgewählte Passagen von seiner Jugend als Dylan-Fan und seinem ersten Konzerterlebnis in Mannheim sowie über die problematische fundamental-evangelikale Sekte deren Dylan anheimfiel, aber auch darüber, wie dieser sich wieder befreite und zurück zu weltlichen Themen fand. Das Publikum hörte gebannt und stellenweise auch vergnügt zu. Der Ravensburger Song-Poet spielte dazu die passenden Songs von 1978 bis 1981 wie „Senor“, „I Believe In You“ oder „Lenny Bruce“, begeisterte dabei durch seine eigenen starken Versionen dieser Dylan-Werke und erntete dafür immer wieder kräftigen Applaus.

Am Ende nochmal langanhaltender Applaus und alle schauten sich alle begeistert an. Der Abend endete mit vielen Gesprächen zwischen dem Publikum und den Protagonisten und viele Autogramme und Widmungen mussten in Büchern und auf CDs noch verewigt werden.

Jetzt geht die Lesereise weiter am kommenden Samstag im Mühlkeller in Leipzig. Für die musikalische Begleitung sorgt dann Richard Limbert. Alle Infos zur Veranstaltung finden sich hier:
https://www.muehlstrasse.de/angebote/themen/konzerte

Sommerzeit im Frühling

In The Summertime. Bob Dylan 1981
Lesereise-Tagebuch. Teil 1: Bensheim

Thomas Waldherr und Martin Grieben, Foto: Cowboy Band Blog

Wow, das war ein Erfolg. Ausverkauftes Haus im PiPaPo-Kellertheater in Bensheim. Und außer sechs Personen kannte ich keinen im Publikum! Bob Dylan zieht halt, Martin Grieben auch und ich schrecke zumindest nicht ab. Aber ernsthaft: Es war von der ersten bis zur letzten Minute ein Riesenvergnügen mit Martin Grieben auf der Bühne zu stehen. Er gibt dem Programm „In The Summertime. Bob Dylan 1981“ musikalische Virtuosität und viel Humor. Wir hatten großen Spaß auf der Bühne und mit dem Publikum. Und das Publikum war klasse! Interessiert zuhörend bei den Lesepassagen, wertschätzend für die Performance und überhaupt nicht schüchtern beim Mitsingen. Und am Ende richtig begeistert.

Participation Songs

Thomas trägt vor, Foto: Cowboy Band Blog

Zwei Songs hatten wir als Participation Songs angelegt: „Precious Angel“ und „I Ain’t Gonna Got To Hell For Anybody“. Und die Leute hatten ihre Freude dabei „Shine Your Light“ oder eben „I Ain’t Gonna Go To Hell For Anybody“ anzustimmen. Ob mit kleinem roten Zettel oder den Dylan’schen Subterranean-Papptafeln angeleitet, das passte.

Natürlich begann und endete das Programm mit „In The Summertime“ vom 1981er Album „Shot Of Love“. Nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Titel von Mungo Jerry, Öhö. Dann habe ich von meiner Frühzeit als Dylan-Fan in Darmstadt erzählt und Martin unterlegte es mit der Melodie von „Hurricane“, dem ersten Bob-Dylan-Song, den ich in meinem Leben gehört habe. Wir hörten „Senor“ als Lied des Übergangs und „When He Returns“ als Beispiel für die Musik des begeisterten Konvertiten.

Songs von „Shot Of Love”

Martin macht Musik, Foto: Cowboy Band Blog

Es erklangen aber auch noch mehr Songs von „Shot Of Love“, wenn ich von meinen eigenem Konzerterlebnis 1981 in Mannheim oder über die Diskrepanz zwischen der Begeisterung der Fans und der bösen Kritik und Häme der Presse erzählte. Martin spielte das wunderbar epische, religiöse, aber nicht missionarische „Every Grain Of Sand“ und dann erwähnte ich natürlich noch die wunderbare Anekdote über Dylan und die Rheinlieder am Imbiss, die ich von Biber Herrmann erfahren habe, der auch im Publikum war, und zog ein Fazit der 1981er-Tour.

„Forever Young“

Nachdem wir noch ein paar Dylan-Songs auf Zuruf angespielt hatten, und die Leute uns nicht von der Bühne lassen wollten, bis Tanja Weber mit den Weinpräsenten kam, endete der Abend dann mit einem vorweggenommenen Geburtstagsgruß: „Forever Young“. Und dass dann auch viele Leute ins Gespräch mit mir kommen wollten, Buch und Anstecker kauften oder mir einfach für diesen Abend dankten – das war der großartige Lohn der ersten Station und der Ansporn für die nächste Stationen auf meiner Lesereise. Am kommenden Montag geht es weiter in Ravensburg, in der Hörbar mit meinem Verleger Günter Ramsauer und Michael Moravek, der die Dylan-Songs spielen wird.

Thomas und Martin hatten Spaß auf der Bühne,
Foto: Cowboy Band Blog

In The Summertime. Bob Dylan 1981

Mein drittes Bob Dylan-Buch beinhaltet Jugenderinnerungen gleichermaßen wie politisch-kulturelle Beschreibungen und Deutungen

Thomas Waldherr, Foto: Axel Groß

Da ist es nun: mein drittes Bob Dylan-Buch. Nach „I’m in a Cowboy Band” und “Bob Dylan & Black America” nun also „In The Summertime. Bob Dylan 1981”. Diesmal ist ein politisch-popkulturelles Essay geworden. Und jedes Buch bildet nicht nur einen besonderen Aspekt aus Dylans riesigem Gesamtwerk ab, sondern auch eine gewisse Lebensphase meinerseits.

Bob Dylan & Americana

Der wunderbare Coen-Brüder-Film „O Brother Where Art Thou“ hat mir im Jahr 2000 und fortfolgende die Augen über die Roots von Bob Dylan – „Man Of Constand Sorrow“! –  geöffnet und damit meine Aufmerksamkeit für Folk, Country und Americana geweckt. In der Folge begann ich mich intensiv mit der Musik zu beschäftigen und begann 2009 sowohl meinen Blog als auch meine Mitarbeit als Redakteur bei country.de. Dann begannen wir, ausgedehnte Musikreisen quer durch die US-Südstaaten zu unternehmen. All diese Umstände waren die Auslöser für mein erstes Dylan-Buch, dass sich mit dessen Verhältnis zu Country und Americana beschäftigt und 2011 erschienen ist. Im gleichen Jahr hielt ich meinen ersten öffentlichen Vortrag zu Dylan, 2014 begann meine Americana-Reihe in Darmstadt. 2015 hielt ich mein erstes Seminar zu den gesellschaftlichen Hintergründen von Country und Americana in den USA in Ingelheim bei der Fridtjof-Nansen-Akademie in Ingelheim. Dort lernte ich Florian Pfeil kennen, mit dem ich seit 2018 auch in Malente Musik & Politik in Seminaren zusammenbringe.

Bob Dylan & Black America

Von Florian, aber auch vom mittlerweile leider verstorbenen Tom Schroeder, habe ich in diesen Jahren viel über den Blues und die afroamerikanischen Musikgenres erfahren. Die Carolina Chocolate Drops, Rhiannon Giddens und Dom Flemons weckten bei mir das Interesse an den schwarzen Wurzeln der Countrymusik. Und so ergab sich zwangsläufig aus all dem mein Buch über Bob Dylan & „Black America“, das 2021 erschienen ist.

Irgendwie stimmt es schon. Je älter man wird, desto mehr blickt man zurück. Immer wieder wanderten meine Gedanken in den letzten Jahren in meine Anfangsphase als Dylan-Fan. Gerade hatte ich mich 1976 für ihn begeistert, da sprang er 1979 schon auf den evangelikalen Zug auf. Ich hatte meine besondere Interpretationstechnik seiner Songs – wird im Buch verraten! – und konnte so dabeibleiben und tatsächlich nahm er ab 1981 schon wieder langsam Abstand von der allzu schnellen und übergründlichen Bekehrung.

Copyright: truth and lies press

Die Weltpolitik, Bob Dylan und ein junger Dylan-Fan in Darmstadt

Diesen Zeitraum von 1976 bis 1981 betrachte ich in meinem Buch. Es ist kein Coming-of-Age-Roman und auch kein Darmstadt-Buch. Und es ist weder ein politisches Sachbuch noch eine Biographie oder gar Werkdeutung des Künstlers Bob Dylan. Es von allem ein bisschen, gerade so wie es sich in mir selber zusammengefunden hat. Denn während Dylan sich der evangelikalen Kirche zuwandte, begann meine Politisierung. Und daher beschäftigen mich schon lange die gesellschaftlichen Hintergründe von Musik und ihre Wechselwirkung mit der Politik.

Daher interessierte es mich, die entscheidenden politischen Weichenstellungen in diesen Jahren nachzuzeichnen und in ihrer Wechselwirkung mit Dylans Kunst darzustellen. Gleichzeitig wurde ich eben in diesen Jahren durch Dylan musikalisch sozialisiert. Daher ist da auch so ein bisschen „Jugendroman“ und in kleinen Dosen auch Darmstädter Lokalkolorit dabei. Denn tatsächlich ist meine frühe Rezeption Dylans stark mit Orten verbunden: Wo habe ich zum ersten Mal einen Dylan-Song gehört? Wo habe ich meine erste Dylan-Platte gekauft? Wo habe ich seine Filme gesehen? Da ich in Darmstadt geboren und aufgewachsen bin, kommt meine Heimatstadt natürlich auch im Buch vor.

Kommt noch ein Dylan-Buch von mir?

Ich bin sehr gespannt auf die bald erscheinenden Besprechungen, das erste Feedback war ja sehr positiv. Das tut gut und bestärkt mich, meinen Weg weiter zu gehen. Es ist – ich kann es selbst kaum glauben – gar nicht mehr sooo lange Zeit bis zur Rente. Ich weiß, dass ich dann noch viel mehr Zeit in die Musik investieren werde. Einfach weil ich es will und kann. Und ich weiß eines ganz gewiss: Langweilig wird mir nicht werden.

Wie auch immer – mit diesem Buch schließt sich daher auch der Kreis. Möglicherweise könnte es mein letztes Buch über Bob Dylan sein. Vielleicht aber auch nicht. Ich habe eine neue Buch-Idee, die diesmal nicht direkt mit Bob Dylan zu tun hat. Aber die wird hier noch nicht verraten, bevor ich sie nicht mit meinem Verleger besprochen habe. Aber jetzt ist erstmal Dylan-Time. Im Mai geht es auf Lesereise, in Kürze werden einige Besprechungen erscheinen und ich freue mich wie ein Schneekönig über das bislang rundum positive Feedback.

Keep On Keepin‘ On!

Das Buch ist als Softcover überall im Buchhandel sowie auf den gängigen Plattformen (Kulturkaufhaus.de, Thalia.de, Hugendubel.de etc.) erhältlich. Die Hardcover-Ausgabe gibt es exklusiv nur hier:
https://truthandliespress.jimdofree.com/shop/ und bei meinen Lesungen (außer in Seeheim-Jugenheim).

Die Stationen der Lesereise im Einzelnen:

Donnerstag, 7. Mai – Bensheim, PiPaPo-Kellertheater – mit Martin Grieben
Tickets: https://vorverkauf.pipapo-kellertheater.de/4808016/

Montag, 11. Mai – Ravensburg, Hörbar – mit Günter Ramsauer & Michael Moravek
Website: https://www.nrvk.de/category/hoerbar/

Samstag, 16. Mai – Leipzig, Mühlkeller – mit Richard Limbert
Eintritt: Spendenbasis (5,00 – 15,00 €)
Website: https://www.muehlstrasse.de/angebote/themen/konzerte

Dienstag, 19. Mai – Seeheim-Jugenheim, Buchhandlung Zabel – mit Dan Dietrich
Eintritt frei!

Samstag, 23. Mai – Eisenach, Jazzclub Alte Mälzerei – mit Richard Limbert
Tickets: https://altemaelzerei.tickettune.com/altemaelzerei/detail/index/sArticle/47

Donnerstag, 28. Mai – Darmstadt, Bessunger Knabenschule – mit All-Star-Band beim großen Bob Dylan-Tribute
Tickets:
https://www.ztix.de/knabenschule/events/americana-bob-dylan-zum-85-zF6A4k/tickets

„In The Summertime. Bob Dylan 1981“

Lesereise von Thomas Waldherr im Mai mit musikalischer Begleitung von lokalen Künstlern

Covergestaltung: Michael Moravek, Copyright: truth & lies press

Bob Dylan feiert am 24. Mai 2026 seinen 85. Geburtstag. Grund genug für den Darmstädter Dylan-Kenner Thomas Waldherr, sein drittes Buch über Bob Dylan zu veröffentlichen, das in wenigen Wochen im Verlag truth & lies press erscheinen wird. In „In The Summertime. Bob Dylan 1981“ geht es zurück in eine Zeit, in der auf unterschiedlichen Gebieten wichtige Weichen gestellt wurden: Bob Dylan kehrt nach drei Jahren von einem fundamentalistisch-evangelikalen Christentum wieder zurück zu freierem Denken und weltlichen Themen, ohne jedoch seinen Glauben an Gott je wieder zu verlieren. In den USA kommt Ronald Reagan an die Macht und es beginnt das Zeitalter des Neoliberalismus, dessen Folgen wir heute in aller Härte spüren. Dylan geht auf Deutschland-Tournee, begeistert seine Anhänger, wird jedoch von der Presse niedergeschrieben. Und ein 17-jähriger erlebt in Mannheim sein erstes Dylan-Konzert.

Lesereise mit ausgewählten Stationen

Dies alles bringt Waldherr in seinem Buch zusammen, aus dem er im Mai auf ausgewählten Stationen lesen wird. Dabei wird er musikalisch von lokalen Musikern, die ebenfalls ein großes Faible für Dylan hegen, begleitet. Es erklingen Dylan-Songs aus der Zeit um 1981, aber auch andere Stücke der Musiklegende werden vorgetragen. Ein intensives, tiefgehendes und unterhaltsames Hörerlebnis rund um den US-amerikanischen Ausnahmekünstler.

Musikjournalist, Kulturvermittler, Politikwissenschaftler

Thomas Waldherr, Foto: Axel Groß

Thomas Waldherr M.A. ist gebürtiger Darmstädter, Jahrgang 1963, und seine Leidenschaft für das Werk und Wirken Bob Dylans begann vor fast 50 Jahren mit „Hurricane“, „Desire“ und der „Rolling Thunder Revue“. Er ist dem Künstler über all die Jahre treu geblieben, auch wenn das in der Born Again-Phase oder Ende der 1980er zeitweise nicht so einfach für ihn war. Waldherr beschäftigt sich als Musikjournalist auf seinem Blog http://www.cowboyband.blog ausführlich mit Bob Dylan und Americana. Er ist Redakteur von http://www.country.de und ständiger Mitarbeiter des „Folker“. Zur amerikanischen Populärmusik und ihren gesellschaftlichen Hintergründen hält der studierte Politikwissenschaftler Vorträge und bietet Seminare bei verschiedenen Bildungsträgern an. In Darmstadt kuratiert der Kulturvermittler seit 2014 eine Americana-Konzertreihe.

Die Stationen der Lesereise im Einzelnen:

Donnerstag, 7. Mai – Bensheim, PiPaPo-Kellertheater – mit Martin Grieben
Tickets: https://vorverkauf.pipapo-kellertheater.de/4808016/

Montag, 11. Mai – Ravensburg, Hörbar – mit Günter Ramsauer & Michael Moravek
Website: https://www.nrvk.de/category/hoerbar/

Samstag, 16. Mai – Leipzig, Mühlkeller – mit Richard Limbert
Eintritt: Spendenbasis (5,00 – 15,00 €) 
Website: https://www.muehlstrasse.de/angebote/themen/konzerte

Dienstag, 19. Mai – Seeheim-Jugenheim, Buchhandlung Zabel – mit Dan Dietrich
Eintritt frei!

Samstag, 23. Mai – Eisenach, Jazzclub Alte Mälzerei – mit Richard Limbert
Tickets: https://altemaelzerei.tickettune.com/altemaelzerei/detail/index/sArticle/47

Donnerstag, 28. Mai – Darmstadt, Bessunger Knabenschule – mit All-Star-Band beim großen Bob Dylan-Tribute
Tickets:
https://www.ztix.de/knabenschule/events/americana-bob-dylan-zum-85-zF6A4k/tickets

Michael Moravek: GEORG

Der Ravensburger Singer-Songwriter veröffentlicht ein Album mit Songs zum Hitler-Attentäter Georg Elser

Copyright: Michael Moravek, TYXart

Die Männer des 20. Juli 1944 – Adelige, Offiziere und Politiker – haben sich in das kollektive Gedächtnis der Bundesrepublik lange Zeit als der Ausdruck des Widerstands gegen den Nationalsozialismus eingebrannt. In der DDR war es die Widerstandszelle der „Roten Kapelle“, die die offizielle Geschichtsschreibung bestimmte. Unter den Teppich gekehrt wurde da oftmals der alltägliche Widerstand vieler tapferer Menschen, oftmals Arbeiter oder Handwerker.

Georg Elser: Lange Zeit verfemt und vergessen

Geradezu verfemt und scheinbar gewollt vergessen war in beiden deutschen Staaten über Jahrzehnte der Hitler-Attentäter Georg Elser. Der unter einfachen Bedingungen in Württemberg aufgewachsene Handwerker scheiterte am 8. November 1939 in München nur knapp an seinem Plan des Tyrannenmords. Von den Nazis im KZ hingerichtet, wurde er später mal als Handlanger der Nazis, mal als obskure Persönlichkeit dargestellt. Erst ab 1969 begann sich die Einstellung gegenüber Elser zu ändern. Doch auch wenn es mittlerweile die ein oder andere Georg-Elser-Straße in der Republik gibt – noch immer ist Elser nicht wirklich als positive Figur des Widerstands breit anerkannt.

Songzyklus zum Bühnenstück

Der Ravensburger Singer-Songwriter Michael Moravek – einer der poetischsten Vertreter des Americana-Genres hierzulande –  und der Konstanzer Schauspieler Bernd Wengert haben sich 2024 der Geschichte Elsers mit dem Bühnenstück „13 Minuten – Wie Georg Elser beinahe die Welt verändert hätte“ angenommen. Zu diesem Stück entstand auch ein Songzyklus in deutscher Sprache, den Moravek nun mit seiner Band „Electric Traveling Show“ neu aufgenommen und unter dem Titel „GEORG“ als Album am 10. April, anlässlich Elsers Todestages am 9. April, veröffentlichen wird.

In seinen Songs versucht er den Georg Elser abseits der Geschichtsschreibung, der Verhörprotokolle, der Kriminalakten lebendig werden zu lassen und ihm nahezukommen. Georg Elser war ein einfacher Mensch, er schrieb kein Tagebuch, keine Briefe. Doch aus dem Umstand, dass er den Tyrannen beseitigen wollte und dass er alles tat um die wenigen ihm nahestehenden Menschen zu schützen ergibt sich Umrisse eines Menschen, der Verantwortung und Verpflichtung fühlte, weil er menschlich war.

Michael Moravek versucht in seinen Songs diesem Menschen und seinen Gedanken Ausdruck zu verleihen. Ein Vorhaben, dass durchaus auch seine Risiken hat. Doch indem er Elser erst einmal als Mensch mit Gefühlen und nicht als politischen Widerstandskämpfer in den Blick nimmt, gelingt das Vorhaben glaubhaft und wird von Song zu Song spannender und eindringlicher.

Den Gedanken Georg Elsers Ausdruck verleihen

Der Eingangstrack „Postkarte aus München“ bringt den Ausnahmezustand des Tyrannenmords, die Postkartenschönheit Münchens und die Sehnsucht nach friedlichen Zeiten zusammen. Weil die Welt eigentlich schön ist und weil die Menschen wieder froh sein sollen, muss er den Despoten töten.

„Georg Elser“ stellt die richtigen Fragen nach diesem schwer fassbaren Menschen. „Wie spät ist es jetzt und wo bist Du?“ sowie „Marie“ rücken die Menschen, die Elser nahestehen in den Fokus. Hauchzarte Annäherungen, Elser in den Mund gelegt, Zeugnisse eines Einzelgängers, der sicher liebte, aber sich mit seinen Gefühlen wohl schwertat.

Poesie mal tief, mal gespenstisch

Dann wieder erzählt Moravek in seiner ganz eigenen tiefen Poesie in „Schlaf, Müder Mann“ von der Anstrengung dem Hier und Jetzt entfliehen zu wollen. Einer der Höhepunkte des Albums ist dann Höllenmaschine. Moravek übersetzt die große Ausdauer und Präzision, die Elser beim Bau der Bombe an den Tag legte in gespenstisch anmutende Lyrik.

Der Songzyklus endet schließlich mit „Ich hab Dich geträumt“, der sich damit befasst, welche letzten Gedanken Elser vor seiner Hinrichtung gehabt haben könnte. Eine Hinrichtung nur wenige Wochen vor Kriegsende.

Fazit: Michael Moravek ist es gelungen, der Person Elser, dessen Beweggründe, Ängste und Zweifel in Worte und Musik zu fassen. Faszinierende Poesie, mal strahlendblau, mal dunkelgrau, mal alles dazwischen. Mit seiner bestens eingespielten Electric Traveling Show unterlegt er diese Poesie mit ebenso zarter, dann wieder eindringlicher Musik mit Americana-Anklängen.

Elser war ein Alleintäter, der schlimmes verhindern wollte und letztlich scheiterte. Kein Politaktivist, sondern ein stiller Handwerker. Mit moralischem Kompass. Es ist an uns, dessen Geschichte weiterzuerzählen. Moraveks Verdienst ist es, den Menschen Elser etwas greifbarer gemacht zu haben, ohne dessen Flüchtigkeit aufzuheben.

Erhältlich ab dem 10. April als CD, LP, Stream und Download

Trackliste:

01. Postkarte aus München

02. Georg Elser

03. Wie spät ist es wo Du jetzt bist?

04. Marie

05. Schlaf, müder Mann

06. Von der Freiheit ein Mensch zu sein

07. Höllenmaschine

08. Und brechen die Finger

09. Alles ist gut

10. Ich hör die amerikanische Artillerie

11. Ich hab dich geträumt, Elsa Härlen

World Gone Wrong trifft World’s Gone Wrong

Bob Dylans gemeinsame Konzertabende mit Lucinda Williams sind auch als Kommentar zur Lage zu werten

Copyright: Chateau Ste. Michelle

Nein, Bob Dylan erklärt sich nicht. Er hält keine Reden, er gibt keine Verlautbarungen ab. Wenn er dieser Tage Instagram oder X nutzt, dann platziert er dort Kunst. Montiert Literatur, Musik-Clips, Sportnachrichten zu kunstvollen, mysteriösen Collagen.

Nein, Bob Dylan schreibt keine Protestsongs gegen Trump, MAGA und den Iran-Krieg. Denn er hat schon zu allen Phänomenen gewalttätiger Herrschaft und Kriegszuständen Songs geschrieben: Oxford Town, The Death Of Emmett Till, Only A Pawn In Their Game, Masters Of War, A Hard Rain’s A-Gonna Fall. Und sein Alterswerk kreist ja auch um den Abgesang auf die USA – Murder Most Foul – und die Erinnerung an die historischen Prozesse und Orte, die Freiheit und Toleranz befördert haben: Mother Of Muses, Key West. Dylans Werk ist ein einziges großes Gegenprogramm zu MAGA.

Dylan und Williams in Woodinville, Washington

Aber ja, Dylan positioniert sich dennoch. Wenn er mit seinen aktivistischen Freunden Neil Young, John Mellencamp und Willie Nelson zusammen bei Farm Aid auftritt, dann zeigt das, wo er verortet ist. Und wenn er sich jetzt ausgerechnet Lucinda Williams für ein Konzert Line-Up am 6. und 7. Juni in Woodinville im Bundesstaat Washington holt, dann ist das ist das nicht nur Respekt gegenüber der Songwriter-Kollegin gegenüber, sondern auch eine stille Zustimmung zu den politischen und gesellschaftlichen Aussagen ihres neuen Albums.

Interessanterweise heißt Lucindas Longplayer „World’s Gone Wrong“. Wir erinnern uns: „World Gone Wrong“ hieß 1993 Dylans akustisches Folk-Blues-Album nach einem alten Song der Mississippi Sheiks. Und wie auch bei Bruce gilt hier die Formel Bob ist der Philosoph, Lu die tagespolitische Singer-Songwriterin. Und dennoch: Ihr neues Album ist nicht zu aller erst wegen der politischen Haltung des beste seit langem. Es ist die Qualität der Songs und der Gesamtkomposition des Albums, die hier besticht. Eindringliche Songpoesie und feine Melodien transportieren die kritischen Gedanken zur Lage der Nation.

Traum-Package

Für die Anhänger von Singer-Songwriter-Musik mit relevanten Themen ist das Package Dylan/Williams natürlich ein Traum. Es stellt sich natürlich die Frage ob dieses Package – komplettiert wird das Line Up noch vom John Doe Folk Trio – noch mehr Konzerte bestreitet, denn eine neue Auflage des Outlaw-Festivals von Willie Nelson scheint nicht in Sicht.

Herzlichen Glückwunsch aber schon mal an die amerikanischen Fans. Ich werde wegen des orangenen Kriegs-Horror-Clowns auf absehbare Zeit nicht in die USA reisen. Zudem wird die Einreise ja auch immer restriktiver gehandhabt. Daher wäre es natürlich auch eine große Freude, wenn Dylan – vielleicht sogar mit Lu – nochmal nach Europa käme.