Leipziger „Basement Tales“

Die dritte Station der Lesereise war zu DDR-Zeiten die Folk-Hochburg der Republik. Mit Richard Limbert im Mühlkeller.

Foto: Wolfgang Leyn

Aus vielerlei Gründen war dieser Besuch in Leipzig denkwürdig. Wir waren das erste Mal überhaupt dort und schon nach kurzer Zeit schlug uns die Stadt in ihren Bann. Eine moderne Großstadt, weltoffene Messestadt und gleichzeitig kann man an jeder Ecke etwas historisches Entdecken. Von Auerbachs Keller über die Thomaskirche mit ihrem Thomanerchor bis zur Börse, einem pittoresken Palais mitten im Zentrum.

Foto: Cowboy Band Blog

Unser Auftritt fand aber nicht in Auerbachs Keller, sondern im Mühlkeller in der Mühlstraße statt. Ein kleiner, uriger Veranstaltungsraum, der kaum mehr als 30 Personen fasst. Und die Plätze waren dann auch alle besetzt, als Richard Limbert und ich die Bühne enterten. Seit DDR-Zeiten ist Leipzig eine Folk-Hochburg und Richard ist einer der Vertreter der zeitgenössischen Folkszene der Stadt.

Als Lokalmatador hatte er zu den Songs immer etwas Interessantes oder Humorvolles beizutragen. So stimmte die Mischung aus Musik und Lesung, aus Gesang und humorvollem Geplauder, so dass es ein wirklich kurzweiliger Abend wurde. Richard hatte noch „Man Gave Names To All The Animals“ auf die Setlist genommen und natürlich gingen wir an dieser Stätte auch auf Bob Dylans einziges Konzert in der DDR 1987 in Ost-Berlin ein.

Foto: Cowboy Band Blog

Mein Vortrag über die enttäuschten Erwartungen der Fans und den triumphierenden Zeilen der SED-Presse wurde von ihm mit „I Dreamed I Saw St. Augustin“ ergänzt, den Song hatte Dylan damals in Ost-Berlin tatsächlich gespielt. Für Richard war das ein besonderes Vergnügen, schließlich stammt er ursprünglich aus St. Augustin bei Bonn. Am Ende spielte ich noch ein Mundharmonika-Solo bei „Every Grain Of Sand“ und als Zugabe spielten wir ganz am Ende „I Shall Be Released.“ Und ernteten einen ganz großen Applaus. Wieder hat die musikalische Lesung beim Publikum Gefallen gefunden.

So vergingen die zwei Stunden wieder wie im Flug und wir führten nachher noch interessante Gespräche mit Zuhörern wie Wolfgang Leyn, der die Website Ostfolk.de betreibt und in Ost-Berlin 1987 mit dabei war. Mein Dank gilt Richard und natürlich Jens und dem Team vom Mühlkeller.

Nächste Station ist Seeheim-Jugenheim!

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