Mally plays Dylan again

Das wunderbare neue Album „Songs For A Rainy Day” enthält auch drei schöne Versionen von Bob Dylan-Songs

Copyright: Blind Rope Records

Wie ich schon an anderer Stelle geschrieben habe, hat es mich sehr gefreut, die Liner Notes für „Sir“ Oliver Mallys und Peter Schneiders neues Album „Songs Für A Rainy Day“ schreiben zu dürfen. Es ist ein wunderschönes, folkig-bluesiges Singer-Songwriter-Album. Und weil der Mally so gut auf den Bob zu sprechen ist, haben er und Peter Schneider dafür wieder drei Dylan-Songs gecovert. Wir erinnern uns, 2019 hatte Mally eine ganze Scheibe mit Dylan-Songs unter dem Titel „Mally plays Dylan“ veröffentlicht und im letzten Jahr spielten Mally & Schneider ein ganzes Bob-Programm in meiner Darmstädter Americana-Reihe.

She Belongs To Me

Copyright: Columbia Records

Nun haben sie sich wieder drei Dylan-Titeln angenommen. Der Reigen beginnt mit „She Belongs To Me”, dem vierten Track des Albums und der Moment, in dem die Stimmung auf der Scheibe erstmals heller wird. Kein Wunder, denn der Sänger singt voll staunendem Respekt über diese selbstwusste Frau, die macht was sie will und keinem gehören will. Dylan soll den Song – so interpretieren es viele – angeblich über Joan Baez geschrieben haben. Im Januar 1965 aufgenommen, wurde er auf „Bringing It All Back Home“ veröffentlicht, dem Album, das Dylans Wechsel von Folk zum Rock dokumentiert. Dylan entfernte sich nicht nur von der Folkszene, auch von Joan. Der Originalsong von Dylan zeigt Bewunderung, aber auch einen gewissen ironischen Fatalismus, dass man eigentlich mit der Frau eh nicht wirklich zusammen sein könne. Die würde sich ohnehin nicht wirklich binden. Wenige Monate nach der Aufnahme kappte Dylan die Beziehung mitten während einer gemeinsamen England-Tour. Im Juli in Newport traten sie nicht mehr zusammen auf. Das alles tritt bei der Mally/Schneider-Version in den Hintergrund. So wie Mally als Sänger den Song anlegt, ist das wie ein stetiges erstauntes Entdecken neuer Eigenschaften, die das Selbstbewusstsein und die Eigenständigkeit dieser Frau spiegeln.

„Blind Willie McTell“

Copyright: Third Man Records

„Blind Willi McTell“ folgt als siebter Track. Dylans großartiges Südstaaten-Panorama, das sich im Kopf des Sängers im St. James Hotel in New Orleans entfaltet, bringt Mally auf die Straße. Der Sänger Mally wandert durch den „Deep South“. Man sieht die staubigen Straßen, die Kirchen, die windschiefen Hütten und die Baumwollfelder vor sich. Man hört förmlich die Zykaden singen und riecht die Magnolienbäume. Und Mally singt die berühmten Zeilen expressiv und macht die Szenen somit lebendig und gibt dem Song eine ungeheure kraftvolle Spannung. Man ahnt die Schönheit des Landstrichs, die kulturellen Errungenschaften wie den Blues, aber auch die Gefahren des Südens, die auf der Sklaverei und dem ewigen Rassismus gründen. Eine der schönsten Versionen, die ich von diesem Song kenne.

Forever Young

Copyright: Columbia Records

Mit „Forever Young“ schließt das Album. Der Song, den Dylan auf „Planet Waves“ für seine Kinder sang, ist sehr oft als Hymne für das „ewig Jung sein“ missverstanden und mit Pathos gesungen worden. Mally reduziert den Song auf das aller Notwendigste, greift die wirkliche Message des Originals auf. Es geht hier nicht um das körperliche jung bleiben, sondern es geht um die stetige geistige Frische, darum, immer neugierig und ehrlich zu sein. Immer couragiert aufzutreten und nie zu resignieren oder die Dinge treiben zu lassen. Doch genau das ist wirklich schwierig. Dazu sind Leben und Umstände oftmals zu schwer. Mally, der in diesem Jahr 60 geworden ist, zeigt sich als Sänger und Erzähler hier zweifelnd und unsicher. Werde ich diesen Anspruch weiterhin erfüllen können? So wird aus dem optimistischen Dylan-Song hier ein melancholisches, manchmal auch klagendes Stück. Mally zeigt sich ehrlich und fragend und liefert damit auch hier eine der besten Interpretationen dieses Stücks, das ich kenne.

Mally und Schneider haben wieder einmal nicht enttäuscht. Sie kleben bei den Dylan-Covern nicht am Original, es sind keine Lückenfüller, sondern kongenial interpretierte Songs, die hier ein eigenes Leben führen dürfen. Unser großer Wunsch: Noch mehr feine Dylan-Stücke von Mally und Schneider und ein weiteres Dylan-Coveralbum.

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