50 Jahre mit Bob Dylan

Leben mit einer musikalischen Leidenschaft

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Vor 50 Jahren, im Herbst 1976, wurde ich Fan von Bob Dylan. Da ich nun 63 Jahre alt geworden bin, besteht ein guter Anlass, diese 50 Jahr einmal Revue passieren zu lassen. Unvollständige Erinnerungen sozusagen.

Die Vor-Dylan-Zeit

Ich komme aus keinem ausgesprochen musikalischen Haushalt. Keiner spielte ein Instrument und in meinem sozialen Milieu gehörten weder Konzertbesuche noch das Erlernen von Klavier, Gitarre oder Geige zur Lebenswelt. Dennoch war die Musik auch in meiner Kinderzeit immer da. Ich hörte meinen Vater morgens beim Schuheputzen singen und es stand ein Musikschrank – Radio + Plattenspieler – in unserem Wohnzimmer. Meine Mutter hörte gerne Schlagermusik. Da wurde ich schon früh zum Stammzuschauer der ZDF-Hitparade. Und bevor mich Robert Zimmerman erreichte, hörte ich den Schlagersänger Chris Roberts.

Meine Mutter war zudem wohl in früheren Jahren im Buchclub, so dass ich im Bücherregal immerhin mit Ernest Hemingway in Kontakt kam. Im Musikschrank war auch eine, wie ich nun weiß, besondere Single des Buchclubs mit jeweils zwei Titeln auf jeder Seite mit erfolgreichen Titeln des Jahres 1968:

A1: Dörthe – Sind Sie der Graf von Luxemburg?
A2: Die Travellers – Romeo und Julia
B1: Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich – The Legend of Xanadu
B2: Manfred Mann – Mighty Quinn

Richtig: Manfred Manns Hitversion von Dylans Basement-Tapes-Song „Quinn, the Eskimo“! Dylans Name stand in Klammer unter dem Titel und ich konnte Anfang der 1970er, als ich das Ding entdeckte und erstmals abspielte, mit diesem Namen aber noch nichts anfangen.

Mit „Hurricane“ fing alles an

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Meine Bob Dylan-Zeit begann, so wie ich es in meinem aktuellen Buch „In The Summertime. Bob Dylan 1981“ beschrieben habe, im Herbst 1976 mit „Hurricane“. Dann kamen die „Greatest Hits“ und „Hard Rain“, das dazugehörige Live-Special 1977 in der ARD sowie 1978 „Street Legal“, „The Last Waltz“ und „Renaldo & Clara“, 1979 der evangelikale Schock und 1981 mein erstes Dylan-Konzert in Mannheim.

Wechselhafte 1980er

Dylan in den 1980er Jahren hieß für mich im Guten „Infidels“, Real Live“, „Empire Burlesque“ und „Union Sundown“, Günter Amendts „Robertage“ über die Europa-Tour 1984 (das damalige Offenbacher Konzert verpasste ich aufgrund anderer Prioritätensetzung) sowie die CD-Box „Biograph“ und im Schlechten der desaströse Auftritt bei Live Aid 1985 (für den ich bis nachts um 3 Uhr wachblieb, um dann mit wenig Schlaf um 6 Uhr morgens zum Falken-Zeltlager aufzubrechen), das ebenso schlechte Konzert in der Frankfurter Festhalle 1987 und die Alben „Knocked Out Loaded“ und „Down In The Groove“. 1988 war sozusagen das Jahr an dem ich Dylan am fernsten war. Ich bekam die Veröffentlichung von „Down In The Groove“ nur zufällig mit, weil ich es während eines Bildungsurlaubes in Luxemburg im Schaufenster sah.

Erneuerte Begeisterung in den 1990er Jahren

Anfang 1989 dann schwärmte mir ein Freund von den Traveling Wilburys vor und siehe da, das Interesse war wieder geweckt. Ich kaufte mir die beiden Wilbury-Alben 1989 und 1990 – war begeistert von „Dirty World“ und „Congratulations“  – und war dann wieder bereit für Dylan. Wobei ich mit erst „Under The Red Sky“ (1990) und dann erst „Oh  Mercy“ von 1989 zulegte. Noch immer finde ich „Red Sky“ besser als sein Ruf. Und „Born In Time“ war mein Lieblingssong, den ich gerne auch meiner damaligen neuen Freundin und heutigen Frau Andrea vorspielte. Sie war es auch, die mir Karten für das Offenbacher Konzert 1991 schenkte und damit meine erneuerte Dylan-Leidenschaft entscheidend mitbefeuerte. Seitdem haben wir nur in zwei Jahren – 2004 und 2016 – kein einziges Bob Dylan-Konzert gesehen.

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Ich oder wir haben Dylan nicht nur in Deutschland gesehen, sondern auch in London, Alicante, Linz, Luxemburg, San Sebastian und Brüssel. Nur in den USA haben wir ihn nicht spielen sehen. Dafür sind wir mehrmals auf seinen Spuren in New York gewandelt und haben den Bob Dylan Center in Tulsa, Oklahoma, besucht.

Ich abonnierte in den 1990er Jahren den Telegraph, des später leider tragisch ums Leben gekommenen John Bauldie, die ISIS und das amerikanische Dylan-Fanzine „On The Tracks“ und bekam nun regelmäßig Neuigkeiten, Berichte und Interpretationen aus dem Bob Dylan-Universum. Ich las die Dylan-Bücher von Paul Williams, Greil Marcus und Günter Amendt und ließ mich von ihnen für meine eigenen Schreibarbeiten inspirieren.

Mitte der 1990er Jahre habe ich dann begonnen auch öffentlich über Bob Dylan zu schreiben. Erst für die „Good Times“, dann für meinen eigenen Cowboy Blog, dann für country.de und den „Folker“. Und zweimal auch für das Darmstädter Echo und einmal für das österreichische Fanzine „Parking Meters“.

Dylans Comeback und viele eigene Dylan-Aktivitäten

Und so konnte ich nicht nur als Fan, sondern auch als Musikjournalist Dylans Comeback 1997, die Radio-Show und die „Chronicles“, sein Filmprojekt „Masked & Anonymous“, die großartigen Alben wie „Love And Theft“ oder „Rough And Rowdy Ways“ und die Nobelpreis-Verleihung 2016 erleben.

Mein erstes Bob Dylan-Buch habe ich 2011 veröffentlicht. „I’m in a Cowboy Band“ heißt es und beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen Dylan und Country/Americana. Denn in den 2000er Jahren wurde durch die Entdeckung von Bluegrass, Folk, Country und Americana mit dem Film „Oh Brother Where Art Thou?“ die Dylan-Leidenschaft gleichermaßen ergänzt und vertieft.

Bob-Dylan-Tribute 2024, Copyright: Americana

Mittlerweile habe ich drei Bücher über Bob Dylan geschrieben und werde als „Dylan-Kenner“ bezeichnet, was mir schmeichelt, finde ich. Und ich veranstalte Dylan-Tribute-Konzerte und musikalische Lesungen in meinen Americana-Konzert-Reihen.

Dylan – eine lebenslange Begeisterung

All das wäre ohne die ständigen zahlreichen Inspirationen durch Dylans Kunst nicht möglich gewesen. Jetzt bin ich 63 Jahre alt geworden und weiß schon, was im nicht allzu fernen Ruhestand noch viel mehr machen werde. Ich freue mich daher schon unheimlich auf die Rente. Und hoffe, dass wir alle noch möglichst lange einen Bob Dylan auf der Bühne und im Studio erleben dürfen. Er hat mich ein Großteil meines Lebens begleitet und wird dies in welcher Form auch immer auch in den vor mir liegenden Jahren begleiten.

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