Am Samstagabend startete Bob Dylan seine Europatournee in Oslo

Als wir im letzten Herbst in Brüssel Dylan gelauscht haben, haben wir nachher keineswegs das Gefühl gehabt, dass seine Konzertreisen nun ihr Ende finden würden. Tatsächlich spielte er im Frühjahr und Sommer in Nordamerika – eine bereits organisierte Sommertour wurde zwar kurzerhand abgesagt – und nun spielt er wieder in Europa. Zweimal werden wir ihn sehen: Am 30. Oktober im luxemburgischen Esch-sur-Alzette und am 22. November in Frankfurt am Main. Während die Rockhal im kleinen Nachbarland durch ihre Kompaktkeit besticht, ist die Festhalle einfach zu groß und der Sound zu schlecht für Dylan. Und dennoch gab er hier 2017 ein bemerkenswertes Konzert und legte zu den Sinatra-Songs Tanzeinlagen mit dem Mikroständer hin.
Hoodie bleibt
Doch es sind fast zehn Jahre durchs Land gegangen und mittlerweile unternimmt der jetzt 85-jährige keine Ausflüge mehr in die Bühnenmitte. Zuletzt „verbarrikadierte“ und vermummte sich Dylan gar hinter dem Klavier. Laut Augenzeugenberichten vom Osloer Start in die Europatour vom gestrigen Samstagabend (17. Oktober) ist die Verbarrikadierung gewichen, der Hoodie nicht. Trotz Smart-Phone-Verbot zieht er sich die dunkle Kapuze über den Kopf. Als wolle er sich unsichtbar machen. Endgültig hinter den Liedern zurücktreten, sein physisches Verschwinden, das irgendwann kommen wird, schon mal visuell vorwegnehmen.
Starke Coverauswahl
Dazu passt, dass er seit einiger Zeit verstärkt Coverversionen von Songs anderer Songwritergrößen einstreut. Als wolle er sich relativieren und zeigen, dass er auch nur ein Glied in der Kette ist. Diesmal hat er mit Randy Newmans „Louisiana 1927“ und Guy Clarks „Dublin Blues” zwei großartige Songperlen ausgesucht. Und zu seinem Konzept als ewiger fahrender Sänger, während andere sich längst zur Ruhe gesetzt haben, vergessen oder verstorben sind, passt auch „Tangled Up In Blue“ mit einer neuen letzten Strophe:
So now I’m goin’ on back again
I got to get to them somehow
All that music dead and gone
Tomorrow might as well be now
Some of them went on the mountain top
Some of them down in the ground
Some of their names written in flames
Some of them they just left town
Me, I’m still on the road
Headin’ for another joint
Well we always felt the same
We just saw it from a different point of view
Tangled up in blue
Zuletzt hatte er „Tangled Up In Blue“ 2018 im Konzert gespielt.
Mike Seal mit auf Tour?
Das einschneidende Dylan-Tour-Ereignis war die überraschende Ablösung und Austausch der beiden Gitarristen Britt und Lancio mitten während der Tour. Gleich drei Gitarristen bestritten in wechselnder Besetzung die Sommertour: Alternierend Julian Lage und Jad Tariq und als einzige feste Größe Joel Paterson. Der ist nun wieder mit dabei. Der zweite Gitarrist in Oslo wurde von vielen als Jad Tariq identifiziert, das ist aber nicht möglich, da er just in diesen Tagen in Memphis, Tennessee, Konzerte spielt. Einige sagen, der zweite Gitarrist wäre Mike Seal. Einer der schon mit Sierra Hull und Jerry Douglas zusammengespielt hat. Er sieht Jad ein bisschen ähnlich, seine nächsten eigenen Tourtermine werden auf seiner Website für Januar 2027 gemeldet. Das könnte passen.
Vielversprechende Setlist
19 Songs waren es dann in Oslo, am Ende dann „I Shall Be Released“ und als Zugabe „You Ain’t Goin‘ Nowhere“. Die Setlist verspricht einiges. Auch wenn sie sich – ganz Dylan-typisch – bis wir ihn auf der Tour treffen werden, bereits wieder verändert hat.
Die Vorfreude ist jedenfalls riesig!
Setlist, Bob Dylan, Oslo, 17. Oktober 2026
- ‘To Be Alone With You’
- ‘Man in the Long Black Coat’
- ‘Crash on the Levee’
- ‘Tryin’ to Get to Heaven’
- ‘Early Roman Kings’
- ‘I Can Tell’
- ‘Tangled Up in Blue’
- ‘Share Your Love With Me’
- ‘Louisiana 1927’
- ‘When I Paint My Masterpiece’
- ‘I’ll Make It All Up to You’
- ‘Crossing the Rubicon’
- ‘Soon After Midnight’
- ‘Dublin Blues’
- ‘Under the Red Sky’
- ‘I’ve Made Up My Mind to Give Myself to You’
- ‘Goodbye Jimmy Reed’
- ‘I Shall Be Released’
- ‘You Ain’t Goin’ Nowhere’