Stabil bleiben mit Bob Dylan

Gedanken um Popmusik in rechten Wendezeiten

„Don’t Follow Leaders“ ist und bleibt eine stabile Grundaussage Dylans, Foto: Wikimedia Commons

Danger Dan wurde aus der ZDF-Sendung „Die Anstalt“ ausgeladen, Der „schöne AfD-Siegmund“ darf den Rechtsextremismus kindgerecht rüberbringen. Die Sommer-Interviews mit Chrupalla und Weidel scheinen schon normal. Gleichzeitig möchte man auf dem Glücksgefühle-Musikfestival gerne keine politischen Ansagen hören, auch wenn sie für Demokratie und gegen Rechtsextremismus ausgerichtet sind. „Man sei unpolitisch“. Sagen die, die in ihrem Programm Andreas Gabalier haben, dessen Songtexte und Ansagen natürlich politisch sind, wenn er Klaviatur von „früher war alles besser“ bedient. So hohlgedreht ist Deutschland im September 2026, zwei Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der die AfD die absolute Mehrheit im Landtag erringen könnte.

Musik ist politisch

„Musik ist politisch“ – in ihr spiegeln sich gesellschaftliche Konventionen gleichermaßen wie der Widerstand dagegen. Sie bildet gesellschaftliche Haltungen ab, auch wenn sie gar nicht politisch scheinen wollen. Siehe oben. Gabalier ist beim Glücksgefühle-Festival dabei, der schon mal singt „eisernes Kreuz, das am höchsten Berggipfel steht“ und ganz bewusst die Assoziationen zur Kriegsauszeichnung weckt oder der den „Gender-Wahnsinn“ ablehnt. Manche bezeichnen ihn als Brückenbauer zur neuen Rechten.

„Früher war alles besser“

In den USA bedienen solch eine „Früher war alles besser“-Mentalität Country-Sänger wie Hank Williams Jr. oder Jason Aldean. Sie haben die „Small Town“, die schon seit den Zeiten der massenhaften weißen Migration vom Süden in den Norden idyllisiert wurden, zur ideologischen Kampfzone gemacht. Dort es keine Black Lives Matter-Demonstrationen, keine offen schwule oder lesbische oder Transgender-Menschen. Dort gibt es nur zwei Geschlechter und die Familie besteht aus Vater-Mutter-Kind. Und am Sonntag geht es in die Kirche und überall wegen Stars & Stripes und vor dem Unterricht wird die Nationalhymne gesungen. Und keiner kniet sich vor dem Football-Spiel hin. Stattdessen wird am Wochenende gejagt, gefischt und Mädchen aufgerissen, ob die es wollen oder nicht.

Jason Aldean garniert das Video zu seinem Kampfsong „Try That In A Small Town“ mit Filmsequenzen aus dem MAGA-Poesiealbum. In den 1950er Jahren da wurde noch fleißig gearbeitet, da wird die Familie noch anerkannt. Dass die amerikanischen Arbeiter massenweise aus dem armen Süden in die industriellen Zentren des Nordens flohen, wird da ebenso geflissentlich ignoriert wie Ehegefängnisse oder häuslicher Missbrauch, die Kehrseiten der heilen Familie auf dem Land.

Abwehrkämpfe der Sixties-Generation

Die Generation, die in den 1960er Jahren mit ihrer Musik all diesen Muff, diese Spießigkeit, diese bornierte Enge zu überwinden halfen, tritt langsam von der Bühne ab, auch wenn Joan Baez oder Neil Young oder Bruce Springsteen sich noch tapfere Abwehrkämpfe gegen den Trumpismus liefern. Noch können sie oder jüngere kritische Künstler wie Jesse Welles oder Carsie Blanton auftreten, ohne größere Gefahr für Freiheit, Leib und Leben. Aber was passiert, wenn im November keine Mid-Terms stattfinden, weil die Trump-Regierung irgendeinen Notstand gefunden hat, den sie ausrufen kann?

Was passiert mit Monchi oder anderen kritischen Künstlern wenn im Osten die AfD auf ganzer Linie siegen sollte? Der deutsche Rechtsextremismus ist in seiner aktuellen Inkarnation wieder einmal der Gründlichste und Radikalste. Davor kann man wirklich Angst haben.

Bob macht stabil, bei Arbeit, Sport und Spiel

Bob Dylan mit Allen Ginsberg, der auch wusste , dass es nie eine gute alte Zeit gab, Foto: Wikimedia Commons

Vor 50 Jahren habe ich mit Bob Dylans Musik meinen Weg aus familiärer Enge und bundesdeutscher Spießigkeit gefunden. Sie hat mich mein Leben lang begleitet. Nun spielt der 85-jährige Dylan im Herbst seine „Lights of Autumn“-Tour, die ihn auch wieder nach Deutschland führt. Wer mit seinen Songs wie „Chimes Of Freedom“, „Desolation Row“ oder „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“ Erwachsen wurde, der behält zeitlebens seine kritische, humane Haltung und dessen Motto bleibt für immer „Don’t Follow Leaders, Watch The Parking Meters“. Die Erkenntnisse aus den Songs dieser „menschlichsten aller Stimmen und unstimmigsten aller Menschen“ wie Günter Amendt so genial formulierte, bleiben, auch wenn der Sänger längst von gegangen sein wird. So unsterblich seine Musik und die Legende „Bob Dylan“ ist, so sterblich ist der Mensch dahinter, so sterblich ist Robert Zimmermann.

Seine Songs und deren Grundaussagen über Menschen, Mächten und Strukturen aber lassen mich stabil bleiben. Egal was da für ein Grauen kommt, dessen Vorreiter vielleicht ab Sonntag der „schöne Siegmund“ ist.

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