Black America sings Bob Dylan, zweiter Teil

Die Songsammlung “Highway Of Diamonds” erscheint 2026 und ist noch besser als der erste Teil

Copyright: Ace Records

 Vor ein paar Jahren erschien das Album „How Many Roads…? Black America sings Bob Dylan“. Allesamt Dylan-Coverversionen aus der afroamerkanischen Community, allesamt hörenswert. Nun erscheint ein zweiter Teil unter dem „Highway Of Diamonds“. Und, was soll man sagen? Diese Sammlung ist noch besser als die erste. Denn neben der großartigen Nina Simone, deren Dylan-Interpretationen zu den besten überhaupt zählen, sind diesmal auch einige Künstler dabei, deren Geschichte unmittelbar mit Dylan verwoben ist.

So beginnt die Kompilation mit der Staple Singer-Version von „A Hard Rain’s a-gonna fall“. Wie wir ja alle wissen, war Bobby mal ganz doll verliebt in Mavis Stapels und machte ihr einen Heiratsantrag. Sie lehnte ihn ab. Sie war jung und möglicherweise fürchtete sie auch die Tatsache, dass gemischtrassige Paare in den USA zu dieser Zeit noch vielen Anfeindungen ausgesetzt waren. Dennoch sind sie lebenslange Freunde geblieben und haben vor einigen Jahren eine scheppernd-gute Version „Change My Way Of Thinking“ aufgenommen.

Ebenfalls mit einer Gospel-Version sind „The Brothers And Sisters Of Los Angeles“ am Start. Sie singen „The Times They Are A-Changin‘“. Unter den Sängerinnen und Sängern des Chores, der nur für das Dylan-Cover-Album „Dylan’s Gospel“ 1969 von Lou Adler zusammengestellt wurde, befindet sich auch Clydie King. Clydie war damals eine begehrte Backgroundsängerin u.a. für Ray Charles, Joe Cocker und bei Produktionen von Phil Spector. Ihre eigenen Soloarbeiten im Bereich Soul, R&B und Funk fanden dagegen nur leidlich Anklang. In den frühen 1980er Jahren war sie dann Background-Sängerin von Bob Dylan und es heißt, sie hätten auch eine amoröse Beziehung gehabt. Unvergessen beider Duett von „Abraham, Martin and John“.

Nach den Brothers And Sisters folgt dann unmittelbar Harry Belafonte mit „Tomorrow Is A Long Time”. Für Harry spielte Bobby 1961 Mundharmonika und Belafonte gehörte ja zum Kreis der kulturellen Linken in den USA wie Dylans Mentoren Pete Seeger und Joan Baez. Und dann endlich Odetta. Die schwarze „Queen Of Folk“ war die zweite, die ein ganzes Album mit Dylan-Songs veröffentlichte und sie war die erste Afroamerikanerin, die das tat. Sie ist leider etwas in Vergessenheit geraten. Es lohnt sich und es wird Zeit, sie wiederzuentdecken.

Und ebenfalls auf dem Album enthalten ist Betty LaVette mit „Everything is broken“. Die Soul-Diseuse hatte 2018 ihr Dylan-Cover-Album „Things Have Changed” aufgenommen, das ebenfalls zu den stärksten Dylan-Song-Sammlungen überhaupt gehört. Mit ihrer apart-brüchigen Stimme verleiht sie den Song von „His Bobness“ eine passende Aura des Lebens und der Vergänglichkeit. Sie sagte später, er habe sie mal auf einem Festival geküsst und wäre trotzdem weiterhin recht distanziert gewesen. Na, ja, man muss auch nicht alles erzählen.

Wie auch immer, es sind wieder eine ganze Reihe von Perlen hier zusammengetragen worden, u.a. wirken auch Aaron Neville, Solomon Burke und Natalie Cole mit, so dass wieder eine große Bandbreite der afroamerikanischen Musikszene vertreten ist. „Schon fast zu Beginn seiner Karriere als Songwriter prägten Dylans Texte und Musik die afroamerikanische Musikszene. „Blowin’ In The Wind“ sprach ein Amerika an, das damals noch weitgehend segregiert war…“, heißt es im Promo-Text und genau dies habe ich ja auch in meinem Buch „Bob Dylan & Black America“ 2021 herausgestellt. Mehr noch: „Bob Dylan ist seine ganze Karriere über in vielfältiger Weise künstlerisch, gesellschaftlich, politisch, spirituell und menschlich konkret mit der Black Community Amerikas verbunden“ (Thomas Waldherr, Bob Dylan & Black America, Hamburg 2021, Seite 10).

Das sehr hörenswerte Album „Highway Of Diamonds“ erscheint bei Ace-Records in Großbritannien und ist hierzulande ab Februar 2026 erhältlich.

Trackliste:

1. A hard rain’s a-gonna fall – The Staple Singers

2. Everything is broken – Bettye Lavette

3. Just like Tom Thumb’s blues – Nina Simone

4. Gotta serve somebody – Natalie Cole

5. It ain’t me Babe – Maxine Weldon

6. It’s alright Ma (I’m only bleeding) – Billy Preston

7. The Mighty Quinn – Solomon Burke

8. Rainy Day Women #12 & 35 – Merry Clayton

9. Shelter from the Storm – Cassandra Wilson

10. The times they are a-changin‘ – The Brothers & Sisters of Los Angeles

11. Tomorrow is a long Time – Harry Belafonte

12. Baby i’m in the mood for you – Odetta

13. Don’t fall apart on me tonight – Aaron Neville

14. If not for you – Sarah Vaughan

15. George Jackson – JP Robinson

16. When he returns – Jimmy Scott

17. I threw it all away – The Bo-Keys

18. Down along the cove – Johnny Jenkins

19. Every grain of sand – Lizz Wright

20. Blowin‘ in the wind – The Caravans

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