World Gone Wrong trifft World’s Gone Wrong

Bob Dylans gemeinsame Konzertabende mit Lucinda Williams sind auch als Kommentar zur Lage zu werten

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Nein, Bob Dylan erklärt sich nicht. Er hält Reden, er gibt keine Verlautbarungen ab. Wenn er dieser Tage Instagram oder X nutzt, dann platziert er dort Kunst. Montiert Literatur, Musik-Clips, Sportnachrichten zu kunstvollen, mysteriösen Collagen.

Nein, Bob Dylan schreibt keine Protestsongs gegen Trump, MAGA und den Iran-Krieg. Denn er hat schon zu allen Phänomenen gewalttätiger Herrschaft und Kriegszuständen Songs geschrieben: Oxford Town, The Death Of Emmett Till, Only A Pawn In Their Game, Masters Of War, A Hard Rain’s A-Gonna Fall. Und sein Alterswerk kreist ja auch um den Abgesang auf die USA – Murder Most Foul – und die Erinnerung an die historischen Prozesse und Orte, die Freiheit und Toleranz befördert haben: Mother Of Muses, Key West. Dylans Werk ist ein einziges großes Gegenprogramm zu MAGA.

Dylan und Williams in Woodinville, Washington

Aber ja, Dylan positioniert sich dennoch. Wenn er mit seinen aktivistischen Freunden Neil Young, John Mellencamp und Willie Nelson zusammen bei Farm Aid auftritt, dann zeigt das, wo er verortet ist. Und wenn er sich jetzt ausgerechnet Lucinda Williams für ein Konzert Line-Up am 6. und 7. Juni in Woodinville im Bundesstaat Washington holt, dann ist das ist das nicht nur Respekt gegenüber der Songwriter-Kollegin gegenüber, sondern auch eine stille Zustimmung zu den politischen und gesellschaftlichen Aussagen ihres neuen Albums.

Interessanterweise heißt Lucindas Longplayer „World’s Gone Wrong“. Wir erinnern uns: „World Gone Wrong“ hieß 1993 Dylans akustisches Folk-Blues-Album nach einem alten Song der Mississippi Sheiks. Und wie auch bei Bruce gilt hier die Formel Bob ist der Philosoph, Lu die tagespolitische Singer-Songwriterin. Und dennoch: Ihr neues Album ist nicht zu aller erst wegen der politischen Haltung des beste seit langem. Es ist die Qualität der Songs und der Gesamtkomposition des Albums, die hier besticht. Eindringliche Songpoesie und feine Melodien transportieren die kritischen Gedanken zur Lage der Nation.

Traum-Package

Für die Anhänger von Singer-Songwriter-Musik mit relevanten Themen ist das Package Dylan/Williams natürlich ein Traum. Es stellt sich natürlich die Frage ob dieses Package – komplettiert wird das Line Up noch vom John Doe Folk Trio – noch mehr Konzerte bestreitet, denn eine neue Auflage des Outlaw-Festivals von Willie Nelson scheint nicht in Sicht.

Herzlichen Glückwunsch aber schon mal an die amerikanischen Fans. Ich werde wegen des orangenen Kriegs-Horror-Clowns auf absehbare Zeit nicht in die USA reisen. Zudem wird die Einreise ja auch immer restriktiver gehandhabt. Daher wäre es natürlich auch eine große Freude, wenn Dylan – vielleicht sogar mit Lu – nochmal nach Europa käme.

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