Bruce ist nicht Bob und Bob ist nicht Bruce

Doch von beiden kann der Widerstand gegen Trump und dessen Maga-Faschismus lernen

Das ist Bruce, nicht Bob. Copyright: Wikimedia Commons

Als Bruce Springsteen vor ein paar Wochen den Protestsong „Streets of Minneapolis“ veröffentlichte, da gab es Musikkritiker, die dies als „Gratismut“ abqualifizierten. Von Rockstars, die eh nicht existentiell von Trump bedroht würden. Weit gefehlt, so meine Meinung. Auch ein Springsteen oder eine Lucinda Williams, die sich auf ihrem neuesten Album „World’s Gone Wrong“ mit der unheilvollen Situation in den USA auseinandersetzt, sind der Gefahr von Milliarden-Klagen, Verleumdungskampagnen, Morddrohungen, Ausbürgerung oder schlimmerem ausgesetzt. Auch wenn Springsteen hohe Popularität besitzt. Thomas Mann halfen weder Weltstarstauts noch Nobelpreis gegen die Nazis. Aber warum Gratismut? Selbst wir also davon ausgehen sollten, dass Springsteen weniger zu befürchten hat, als andere – wer, wenn nicht er, sollte denn dann überhaupt den Widerstand wagen?

Springsteen kommt mit der Kavallerie

Ganz klar: Springsteen gibt hier die Rolle des reinen beobachtenden Künstlers auf. Er macht sich mit einer Sache gemein. Er rückt mit seiner E-Street-Band auf der „Land Of Hope And Dreams/ No Kings“-Tour quer durch die USA in den Kampf gegen Trump und Maga ein. „Die Kavallerie kommt“, schreibt er in seinem Ankündigungs-Statement frech. Der 76-jährige Springsteen weiß, dass je länger sich Trump und sein System an der Macht halten, ein wirklich freies und gerechtes Amerika immer unwahrscheinlicher wird. Also will er den Menschen mit seinen 19 Konzerten auf der Reise von Minneapolis bis Washington Mut machen, Widerstand zu leisten. Wir können davon ausgehen, dass Springsteen dann ähnliche Reden halten wird, wie auf seiner letztjährigen Europatournee.

Doch was weit weg von den USA bei Trump nur zu ein paar abfälligen Kommentaren auf seiner Plattform „Truth Social“ führte, dürfte in den USA zu deutlich größeren Racheakten der herrschenden MAGA-Bande führen. Ein Szenario, dass MAGA-Fußvolk, ICE und Nationalgarde sich auffällig Veranstaltungsstätten annähern und Besucher drangsalieren und versuchen, zu ängstigen ist keine völlig abwegige Annahme. Und dann wird jedes Springsteen-Konzert zu einer offenen Auseinandersetzung und jeder Konzertbesucher muss sich klar werden, dass hier seine Zivilcourage gefragt ist. Daher wird diese Konzerttour eine der spannendsten, gefährlichsten und denkwürdigsten Unternehmungen in der Rockgeschichte.

Springsteen der Aktivist, Dylan der Philosoph

Das ist Bob, nicht Bruce. Copyright: Wikimedia Commons

Die andere große amerikanische Rock-Ikone, der fast 85-jährige Bob Dylan, macht unterdessen Dylan-Sachen. Er hält keine politischen Reden, denn er wollte nie eine politische Leitfigur sein. Aber seine Songs, auch die, die er aktuell in seinen Konzerten spielt, sind voll von Gedanken, Einsichten und Wortbilder, die für freie Menschen und freien Geist und gegen Überwältigung und Manipulation stehen. Ob „False Prophet“, „Mother Of Muses“ oder „Key West“, sie alle atmen den amerikanischen Freiheitsgeist und sind nicht anschlussfähig für die MAGA-Ideologie. „Along The Watchtower“ sowieso und „Masters Of War“ erinnert uns daran, dass der von Schwurblern gefeierte „Friedenspräsident“ in einer Welt ohne Regeln wie ein Gossenschläger auf unliebsame Staaten eindrischt und am Ende natürlich der Trump-Clan und die Rüstungskonzerne profieren.

Bob Dylans universelle und im Zeitalter der bürgerlichen Herrschaft zeitlose Songs sind daher auch immer als Statements gegen Trump zu verstehen. Und dass er mit seinen Freunden Willie Nelson, Neil Young und John Mellencamp, die allesamt ebenfalls Ikonen des „anderen“ Amerikas sind, zusammen bei Live Aid auftritt, zeigt „On which Side he is“. Dylans Lyrik der Ambivalenz und seine Selbstdefinition als autonomer Künstler sind nie Freifahrtscheine für Zyniker gewesen, denen eh alles egal. Dies ist ein großes Missverständnis. Wenn Bruce Springsteen, der politische Aktivist ist, dann ist Dylan der humanistische Philosoph.

Von Springsteen und Dylan lernen

Von beiden kann man für den Widerstand gegen Trump und MAGA lernen. Kraft und Zusammenhalt von dem einen, Freigeistigkeit und Individualität von dem anderen. Im Kampf gegen den neuen Faschismus bracht man beides. Und stärken beide den Widerstand. Und zu dem gibt es keine Alternative. Ob jetzt in den USA oder möglicherweise bald auch bei uns.

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